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Gewohnheiten sind erlernt und können auch wieder verlernt bzw. umstrukturiert werden. Streß kann auch zu einer Gewohnheit werden und Körper & Geist erfahren ständige Anspannung. In diesem Fachbericht erfahren Sie was Gewohnheiten und Streß eigentlich sind und wie Sie Verhaltensmuster ändern können.

Was ist Streß?
Was sind Gewohnheiten?

Was ist Streß?
Stress in der heutigen Gesellschaft ein Phänomen. Wenn eine Krise in einer Partnerschaft vorliegt, dann hat man „Beziehungsstress“, fragt man jemanden wie es ihm geht antwortet dieser: „ich bin voll im Stress“. Wenn jemand nicht so funktioniert wie man es gerne hätte, dann macht er Stress. Das Wort Stress findet überall Verwendung. Ständige Angst vor dem Verlußt des Arbeitsplatzes oder Anstrengungen mit den Kindern oder die vielen sozialen Rollen, die jeder aufgrund der Gesellschaftsstruktur zu spielen hat.

Auch in Anbetracht der Tatsache, dass die Anforderungen an den einzelnen wachsen, nehmen Krankheiten wie Burn out, Überforderung, Schlaflosigkeit, Depression und Nervosität zu. Alle sind eine Folge von zuviel Stress. Mit zuviel Stress ist gemeint, dass eine gewisse Menge Stress für den Menschen von Nöten ist. Das ist der sich positiv auswirkende Eustress. Dieser beflügelt, steigert die Leistungsfähigkeit, verbessert die Konzentration und erzeugt Zufriedenheit.
Auch der Eustress versetzt den Körper in Alarm- oder sagen wir Reaktionsbereitschaft, aber er macht nicht krank wie der Dystress. Der Dystress hemmt die Kreativität und Tatkraft. Ausserdem führt er zu Überanstrengung und macht Menschen unzufrieden. Diese Art von Stress macht krank. Das Interessante daran ist, dass jeder selbst entscheidet, welche dieser beiden Arten von Stress bei ihm vorliegt. Manchmal erleben wir den Stress als Eustress und er beflügelt uns. Oder wir empfinden ihn als belastenden Dysstress, dem wir uns ausgeliefert fühlen.


Stress ist ein Zustand, der dem Menschen mitgegeben wurde, um ihn vor Gefahren zu schützen. Um diese Wirkung von Dauer zu erhalten bedarf es zur ständigen Anspannung (Stress) auch den Gegenspieler der Entspannung. Stress und Entspannung in Maßen, in Balance, damit sich der Mensch wohl fühlt.
Es ist zum grossen Teil die innere Einstellung, die entscheidet wie die Stressquelle empfunden wird. Es gibt Menschen die mögen kein Kindergeschrei somit werden diese Leute Streß bei Kindergeschrei empfinden im Gegensatz zu Eltern, die mit ihrem Sprössling quietschfidel umhertollen.
Verschiedene Personen, die aber dem gleichen Stressfaktor bzw. dem gleichen Stresspotential ausgesetzt werden reagieren sehr unterschiedlich. Aber auch Menschen die auf die gleiche Stressquelle mit Dystress reagiert haben reagieren am nächsten Tag oder auch nur eine Stunde später auf die gleiche Sache mit Gelassenheit.
Die Stressanfälligkeit ist abhängig davon, ob jemand im Einklang mit sich selbst lebt und zufrieden sein Leben lebt oder völlig zerstreut, überfordert und ohne Halt sein Leben lebt. Letzterer ist eher stressanfällig.
Eine Stressreaktion ist die Kampfbereitschaft des Körpers oder die Fluchtbereitschaft. Der Blutdruck steigt ebenso wie die Herzfrequenz und stellt somit Energien zur Verfügung. Steigert die Aufnahme- und Reaktionsfähigkeit des Organismus bei Gefahr.
Wenn früher der Säbelzahntiger plötzlich vor unseren Vorfahren auftauchte, dann gab es innerhalb dieser Alarmbereitschaft 2 Möglichkeiten: Flucht oder Kampf. Augen, Ohren und Sinnesorgane geben Informationen an das Gehirn weiter. Das Gehirn entschlüsselt die Informationen und sagt was zu tun ist und löst eine Kettenreaktion aus. Hormonell gesehen geschieht folgendes: ein Signal geht an die Hypophyse (Hirnanhangdrüse), die alle anderen Drüsen im Körper kontrolliert. Sobald hier die Information von Gefahr eintrifft werden dann die Nebennieren aktiviert und die Information an diese weitergeleitet. Die Drüsen der Nebennieren schütten die Stresshormone Kortisol und Adrenalin aus. Die Reaktionen auf Stress sind unseren Vorfahren angepasst und allein auf Gefässengstellung (möglichst wenig Blutverlusst) und Bereitstellung von Muskelkraft ausgerichtet. Wäre der menschliche Organismus an die Industriegesellschaft ausgerichtet, so müsste er bei Stress Endorphine ausschütten.
Die Wirkung der Stresshormone ist vielfältig. Adrenalin sorgt dafür, dass unser Herz zu rasen beginnt und viel mehr Blut pumpt. Daher erhalten die Muskeln energiereichen Nachschub an Versorgungen, um einen Kampf oder eine eventuelle Flucht zu bewerkstelligen. Das war lebenswichtig. Adrenalin sorgt auch für die Engstellung der Blutgefäße, um bei einer möglichen Verletzung möglichst wenig Blut zu verlieren, was auch lebenswichtig war. Adrenalin und Kortisol gemeinsam sorgen dafür dass die Thrombozyten also die Blutplättchen zur Verklumpung neigen, was ebenfalls nötig ist um vor hohem Blutverlusst zu schützen.
Adrenalin erweitert die Gefässe von Lunge und Atmungsorganen, um mehr Sauerstoff als Energielieferant für Muskeln und alle weiteren Körpervorgänge bereit zu stellen. Bei akuter Belastung ist es ebenfalls das Adrenalin, welches in der Leber die dort eingelagerten Stärkemoleküle in Traubenzucker umwandelt, der ein guter Energieträger ist.
Zusätzliche Energie wird für den Organismus herbeigeführt, indem Körpervorgänge z. B. die der Verdauung und den Speichelfluß vorübergehend eingestellt werden. Kortisol hat eine wichtige Wirkung auf die Nieren, die dann weniger Kochsalz ausscheiden. Kochsalz ist in der Lage Wasser zu binden und es zu speichern. So kann auch das Volumen des Blutes erhöht werden (Blutdrucksteigerung). Wie Adrenalin fördert auch Kortisol eine erhöhte Bereitstellung an Energien.
Wie oben beschrieben sind das Auswirkungen des Stress, die angepasst sind an die Zeiten unserer frühen Vorfahren. Zu Zeiten des Säbelzahntigers konnten diese im Überfluß hergestellten Energien auch wieder abgebaut werden durch Flucht oder Kampf.
Heute ist das nicht so der Stau auf der Autobahn wird immer länger und wir sind in ihm gefangen, keine Möglichkeit die körperlich bereitgestellte Energie abzubauen, z. B. in Form von einem Sprint oder Schrei. So bleibt der durch die Alarmbereitschaft des Körpers aufgeputschte Blutdruck unnötig lange erhöht.
Der Körper bleibt in Alarmbereitschaft trotz Fehlalarm. Der Magen ist voll und dennoch verarbeitet er nichts. Dadurch, dass die Energien nicht abgebaut werden, beginnt der Mensch krank zu werden.
Durchblutungsstörungen, erhöhter Cholesterinspiegel sind Folge der dauerhaften übermäßigen Anwesenheit der Stresshormone. Es gibt viele weitere Auswirkungen auf andere Organe z. B. Magengeschwüre, Allergien, aber auch auf die Psyche. Die unerwünschten Nebenwirkungen der Hormone sind belastend für den Körper. Ein Gegenspieler der Stresshormone ist das Melantonin. Auf der einen Seite regelt das Melantonin den Schlaf-Wachrhythmus im Menschen.
Adrenalin und Kortisol regen die Verklumpung der Blutplättchen an und Melantonin hemmt sie. Melantonin senkt die Blutfette, die Stresshormone steigern diese. Melantonin unterstützt die Abwehrkräfte des Immunsystems.
Adrenalin macht den Menschen wach und Melantonin müde.
Es gibt 2 Möglichkeiten mit dem Stress umzugehen. Entweder müssen die Auslöser beseitigt werden bzw. vermieden werden oder Stressfolgen müssen gelindert werden.
Auslöser von Stress müssen ausfindig gemacht werden. Das funktioniert gut mit der Selbstbeobachtung. Yoga kann durchaus wirksam sein in der Stressprävention aber auch in der Stressbewältigung.
Mit Hilfe der inneren Achtsamkeit, die Yoga vermittelt könne persönliche Stressquellen ausfindig gemacht werden. Zum Beispiel nervt der Hund des Nachbarn so heftig, dass sich der Nacken verspannt und Kopfschmerzen einsetzen. Dann ist es gut das erst einmal zu bemerken und wahr zu nehmen und auch wahr zu nehmen wie sich das äussert, in diesem Fall in Form von Kopfweh. Wenn dann die Wahrnehmung auch im Geist feiner wird durch vorangeschrittenes Üben, dann kann auch Einfluss auf seine innere Einstellung nehmen, so dass die Stressquelle neutralisiert wird, z. B. dass der Hund nur so laut bellt, weil sein Herrchen den ganzen Tag ausser Haus arbeitet und der Vierbeiner sich einsam fühlt. Vielleicht wandelt sich dann das Gefühl das Bellen als störenden Lärm zu empfinden hin zum Mitgefühl zu dem Tier und es erwächst vielleicht ein positiver Stress dem Tier zu helfen und mittags mit ihm eine Runde zu spazieren. Dazu müssen Gewohnheiten im Geist aufgespürt werden, um sie verändern zu können.

Wir können demnach Stress aktiv bewältigen. In dem wir Methoden erlernen z. B. die Entspannungssystematik, die uns wieder in Balance bringen.
Wir sind chronisch angespannt und durch die Entspannungssystematik lernen wir uns bewusst zu entspannen. Bewegung gegen Stress.
Wenn wir beispielsweise Kinder auf dem Spielplatz des Kindergartens Schulhof beobachten, dann sehen wir sie wild umhertoben. Sie folgen einfach ihrem inneren, natürlichen Bewegungsdrang, der aufgestaute Energien (Stress) abbaut. Dieser natürliche Bewegungstrieb ist vielen Erwachsenen verloren gegangen.
Bewegung z. B. durch Hatha Yoga verbindet wieder die Elemente von Körper, Atem und Geist und schafft Ausgeglichenheit in der An- so wie in der Entspannung.
Im Hatha Yoga gibt es in den Übungsabfolgen immer einen Ablauf von Anspannung und Entspannung unter Berücksichtigung des Atems. Das fördert die inner Achtsamkeit für seine eigenen Grenzen und fördert die Wahrnehmung wie es uns geht. Diese Achtsamkeit spiegelt sich nach ausreichender Übungspraxis im Alltag wieder, dass wir in der Lage sind Anspannungen aufzuspüren und loszulassen. Das uns auffällt, wenn wir kurzatmig werden, weil den Bus verpasst haben, der uns rechtzeitig zur Arbeit gebracht hätte. Nur wenn wir aktiv etwas tun, können wir dem Phänomen Stress in der heutigen Zeit begegnen ohne zu erkranken.
Entspannung lässt sich trainieren, dann können wir wenn wir Stress-Symptome bei uns beobachten aktiv werden und bewusst dadurch entstandene Anspannungen wieder lösen. Wir reagieren gelassener auf Stress-Situationen als vorher. Das psychische Befinden steht in direktem Zusammenhang mit dem Muskeltonus (Muskelspannung).
In Angstzuständen verzerrt sich das Gesicht, die Beine spannen sich an und der Mensch erstarrt womöglich völlig. Die darauf folgenden weichen Knie sind ein Zeichen von vorheriger intensiver Anspannung.
Wir wissen daraus: psychischer Stress spannt die Muskeln an.
Wenn man nun die Lösung von der anderen Seite angeht, dann entspannen wir die Muskeln und erhalten einen beruhigten Atem und eine beruhigte Psyche (Entspannungssystematik). Viele Menschen bemerken nicht, dass sie im Alltag einzelne oder mehrere Muskelpartien übermäßig anspannen.
Yoga ist da ein sehr guter Weg dem Abhilfe zu verschaffen, indem das Bewusstsein geschult wird, Entspannung gelernt wird, Anspannung so ausgeglichen werden kann und so sich mehr Gelassenheit in Körper und Geist einstellen kann, das die innere Grundeinstellung den Menschen weniger einengt und Stress vorbeugt. Stressprävention ist die beste Lösung, denn „erst krank zu werden und dann die Krankheit wieder los zu werden ist eine schmerzhafte Erfahrung und ausserdem eine Verschwendung von Zeit und Energie.“
Yoga ist die Wissenschaft vom eigenen Bemühen, vom Selbststudium und von der Selbstwahrnehmung als Schlüssel zur Stressprävention.

Quellennachweis

Balance, Dr. Ingeborg  Cernaij

Was sind Gewohnheiten?


Äußere Verhaltensmuster können den inneren, geistigen Zustand der Gefühle, Gedanken und auch den des vegetativen Nervensystems widerspiegeln. Yoga üben heisst sich mit seinen Gewohnheiten auseinander zu setzen. Yoga steigert die innere Achtsamkeit und verbindet den Körper mit Atem und Geist. Auf diese Art und Weise kann der Übende Gewohnheiten erkennen.

Zum Beispiel erfährt der Yogaübende, dass wenn er seinen Arm über die Seite hebt den Kopf leicht vornimmt und den oberen Rücken rundet. Wenn das Üben voranschreitet und sich auf den Alltag ausdehnt, dann erklärt sich manchmal die Ursache von Verspannungen von selbst.

Gewohnheiten sind wiederkehrende Verhaltensmuster, die oft automatisiert ablaufen, damit wir während der Ausführung dieser Gewohnheit noch weitere geistige Kapazitäten zur Verfügung haben. Zum Beispiel beim Schreiben immer automatisch die Schulter mit anzuheben, obwohl das für die Funktion des Schreibens unrelevant ist.
Wenn junge Menschen den Führerschein gemacht habe, finden sie die Vorgänge des Bedienens des Kfz sehr komplex und der Geist ist ausschließlich damit beschäftigt die einzelnen Schritte: Schulterblick, blinken, kuppeln, Gang wechseln… usw. zu koordinieren, dass keine weitere Geisteskapazität zur Verfügung stand vielleicht noch das Radio zu bedienen oder über die noch zu tätigenden Einkäufe nachzudenken. Nach einer Weile wird das Autofahren zu einer Gewohnheit, die man sich angeeignet bzw. gelernt hat. Ist erst einmal das Autofahren zur Gewohnheit geworden, dann werden Geisteskapazitäten frei und wir können Auto fahren und uns noch über politische Fachthemen in einem Gespräch mit dem Beifahrer auseinandersetzen, was als Fahranfänger vielleicht noch unmöglich war. Dieser Automatismus von Verhaltensmustern birgt Gefahren in sich, denn die Aufmerksamkeit liegt nicht unmittelbar bei dem was in dem Moment geschieht. Das Bewusstsein ist ausgeschaltet und das Risiko wichtige Dinge zu übersehen können Unfälle verursachen.
Aber wir haften an Gewohnheiten auch an. Diese Anhaftung zeigt sich deutlich, wenn eine Gewohnheit unfreiwillig wegbricht und wir uns in einem Zustand der Aggression wieder finden. Dann wäre es wichtig dort hin zu schauen, warum oder was uns verärgert hat. Aggression kann ein Hinweis sein diese Gewohnheit erst einmal Gewohnheit zu erkennen, damit sie hinterfragt werden kann.

Ein Beispiel:
Eine Frau schaut täglich (montags bis freitags) eine dieser Soaps also Seifenopern im Fernsehen, die genau auf die Fähigkeit des menschlichen Geistes aufbauen Gewohnheiten zu bilden. Zu einigen Zeiten im Jahr weichen aber die Seifenopern verschiedenen Fußballspielen. Die Frau ist dann völlig verwirrt und ärgert sich. Das Beispiel dieser Frau zeigt deutlich die Anhaftung an der Gewohnheit Seifenopern zu einer bestimmten Uhrzeit zu schauen und die Verwirrung, wenn diese Gewohnheit nicht befriedigt wird. Daraus können wir schließen, dass erfüllte Gewohnheiten eine Art Bedürfnisbefriedigung sind und auch einen Belohnungswert haben.
Wir merken uns, dass Gewohnheiten/Verhaltensmuster erlernt sind und somit auch verlernbar sein müssen.

Es gibt aber auch Verhaltensmuster, die Menschen behindern und stören. Hier ein weiteres Beispiel einer anderen Frau, die immer wenn sie von der Arbeit nach Hause kam, zum entspannen (so sagte sie) und zur Belohnung eine Zigarette rauchte. Dabei störte sie aber auch ihren Mann, dem das völlig missfiel und mit Vorwürfen und Moralpredigten seinerseits reagierte: das ist schädlich, du darfst das nicht usw. … die Frau rauchte weiter unbeeindruckt von seinem Reden.
Aber innerlich wurde sie dann doch aufmerksam auf diese Gewohnheit und wollte diese durch Unterdrückung bezwingen, was nur dazu führte, dass sie nach der Arbeit 2 Zigaretten nacheinander rauchte, um sich mehr zu belohnen oder aber auch, weil sie sich als Versager fühlte, es nicht geschafft zu haben, nicht mehr zu rauchen. Anscheinend hatte sie das Gefühl sich etwas zu nehmen und sich nicht mehr nach getaner Arbeit zu Belohnen. Aber diese Erkenntnis kam erst mit der Zeit.
Erst als ihr Mann aufhörte zu drängen wurde sie frei von Schuldgefühlen, wenn sie rauchte. Sie konnte dann selbst entscheiden, ob Rauchen für sie wichtig ist im Sinne von Belohnung oder ob sie vielleicht doch sich selbst und andere gesundheitlich schädigt. Sie erkannte, dass sie etwas bekommt, wenn sie nicht mehr raucht. Dass sie sich selbst Gesundheit schenkte, im Monat plötzlich mehr Geld da war und nicht, dass sie etwas entbehren musste.

Wichtig für Veränderung von Gewohnheiten ist demnach auch die eigene Entscheidung Dinge ändern zu wollen und auch den Zeitpunkt selbst wählen zu können. Mittlerweile raucht diese Frau nicht mehr.

Gewohnheiten zeigen sich auf verschieden Ebenen.

Auf der körperlichen Ebene sind es zum Beispiel bestimmte Verspannungen von Hals und Nacken, wenn eine Stress-Situation anstand. Auf der Ebene der Atmung könnte eine gewisse Kurzatmigkeit sich einstellen, wenn wir unter Anspannung sind. Die Ebene des Geistes sammeln sich Gewohnheiten wie zum Beispiel etwas grundsätzlich optimistisch zu bewerten, ganz nach dem Motto: das Glas ist noch halbvoll.
Im Bereich der Gewohnheiten in unserer Lebensführung äussert sich das vielleicht auf der Ebene der Ernährungsgewohnheiten: Süßigkeiten, Koffein oder Alkohol. Auf der Ebene der sozialen Gewohnheiten erkennt man eventuell Muster in der Art und Weise wie jemand Beziehungen führt z. B. immer bestrebt ist, Nähe und Distanz zu regulieren, oder eine bestimmte Art der Machtverteilung aufrecht zu erhalten. Wie auch die kosas durchdringen die verschiedenen Ebenen sich selbst. Die Ebenen der Gewohnheitsbildung sind miteinander verflochten.

Der Geist hat die Gewohnheit, Gewohnheiten zu bilden. Dieses Wissen können wir für uns nutzen indem wir gewünschte, konstruktive Gewohnheiten ausbilden wie zum Beispiel jeden Tag zur gleichen Zeit am gleichen Ort 15 Minuten zu sitzen und still zu werden, um sich so an störende Gewohnheiten in achtsamer Haltung anzunähern.
Der Begriff Verhalten umfasst nicht nur das nach außen sichtbare Handeln, sondern auch innerliche Zustände wie Gefühle, Gedanken und physiologische Funktionen.

Wie entstehen Gewohnheiten?

Ein Teilgebiet der Psychologie ist die Lernpsychologie, die verschiedene Gesetzmäßigkeiten im Lernprozess ausfindig gemacht hat. Gewohnheiten werden z. B. durch die Reiz-Reaktionkopplung gebildet bzw. erlernt. Wenn jemand das erste Mal beim Zahnarzt ist oder vorher noch nie schlechte Erfahrungen gemacht hat und dann urplötzlich auf dem Behandlungsstuhl der Bohrer des Zahnarztes einen nicht betäubten Nerv trifft. Dann erfährt der Körper eine Stressreaktion. Der Patient schwitzt an den Händen, spannt Muskeln an, reisst die Augen weit auf und die Pulsfrequenz erhöht sich. Beim nächsten Mal erfährt der Patient bereits auf dem Weg zum Zahnarzt erste Anzeichen von Unwohlsein. Im Wartezimmer steigern sich die Stress-Symtome und auf dem Behandlungsstuhl im Blick fest die Gerätschaften liegt die gesamte Schmerzreaktion vor ohne das es einen Schmerzreiz gab.
Das was hier passiert ist bedeutet, dass der Patient sich ein Verhaltensmuster angeeignet hat, welches nicht abhängig von dem Schmerzreiz in erster Instanz ist, sondern an Räumlichkeiten und Umgebung, Bilder, Gerüche usw. gekoppelt. Das Verhaltensmuster wurde nicht bewusst erlernt. Tauchen bestimmte Gerüche oder das Geräusch des Bohrers wieder auf, so setzt das Verhaltensmuster an und spult seinen Inhalt ab, auch wenn der Patient diesmal nur zur Kontrolle anwesend ist und somit kein Schmerzreiz vorliegt.
Ein weiteres Lerngesetz ist das Lernen durch Konsequenzen. Unser Geist wird so konditioniert, dass wenn er handelt die Ergebnisse seines Handelns mehr oder weniger bewusst bewertet. Dabei fällt auf, dass Handeln, welches weniger positiv von uns bewertet wird weniger ausgeführt wird als Handeln, welches vielleicht ein Lob oder Anerkennung mit sich gebracht hat. Die Früchte des Handels so zusagen. In der Gita lehrt Krishna, dass Arjuna die Früchte des Handels aufgeben soll, um frei zu werden. Das gestaltet sich nicht ganz so einfach, da die Bewertung der Ergebnisse des Handelns meist unbewusst erfolgt.
Wenn gar Bestrafung das Ergebnis einer Handlung war, dann besteht die Gefahr ein Erfahrungsdefizit zu bekommen, weil aus Angst vor Bestrafung der Mensch eine Vermeidungstaktik entwickelt, welche ihn zwar vor ähnlichen Situationen bewahrt, ihm aber auch die Chance nimmt zu erfahren, ob alte Erfahrungen noch Gültigkeit haben.
Lernen erfolgt oft mit Hilfe eines Modells. Das heißt, dass ein Modell beobachtet und dann imitiert wird. Das ist vermehrt bei Kindern zu beobachten. Sie nehmen sich ein Vorbild oft die Eltern und imitieren dann. Da gibt es dann schon verwunderte Eltern, die von ihren Kleinen einen Spiegel ihrer Verhaltesweisen vorgehalten bekommen.
Selbstverstärkung ist auch ein Lerngesetz. Kinder lernen zielgerichtet durch Lob von außen. Erwachsene, die über längere Zeit ein Ziel verfolgen z. B. in Form einer Fortbildung, motivieren sich über sich selbst. Die Selbstverstärkung erfolgt wie ein sich selbst auf die Schulter klopfen bzw. stolz auf seine eigens erbrachten Leistungen zu sein.
Das waren nur einige der Lerngesetze, die Verhaltensmuster ausbilden. Meist greifen sie ineinander, besonders dann wenn die Verhaltensweisen sehr komplex sind.

Antahkarana ist das Modell des menschlichen Geistes. Er wird auch als das innere Instrument bezeichnet. Es ist das Instrument von purusha (vgl. samkhya Philosophie), um sich in der Welt auszudrücken. In der Vedanta Philosophie gibt es ebenfalls ein antahkarana.

Antahkarana (das innere Instrument) besteht aus:
Manas: Schaltzentrale, hier treffen Sinneserfahrungen ein und bereitet Reaktionen vor und bringt sie zur Ausführung, indem ohne bewusste Reflektion auf bewährte Handlungsmuster /Gewohnheiten, die in citta abgespeichert sind, zurückgegriffen wird. Wenn Ahamkara oder buddhi keine Anweisungen geben, dann läuft die Reaktion von manas entsprechend der Verhaltensgewohnheiten ab.

Citta: Hier sind alle Erinnerungen bzw. Eindrücke gespeichert. Jede Bewegung des Geistes hinterlässt Samskaras/ Eindrücke. Diese Eindrücke werden nach manas projeziert und so kommt es zur Wiederholung von vorher gezeigten Verhaltensmustern. Das bedeutet, wenn jede erneute Bewegung des Geistes erneut auftritt, dann werden die samskaras verstärkt.

Ahamkara: ist das Identifikationsvermögen als Abgrenzung zum Nicht-Ich. Ahamkara identifiziert sich mit Wünschen, um diese als Bedürfnisse zu befriedigen.

Buddhi: beobachtet die Bewegungen des Geistes. Wenn er geschult ist, dann ist er durch seine Aufgabe der Unterscheidungsfähigkeit in der Lage alte Verhaltensmuster zu beobachten ggf. zu verändern. Buddhi kann Wesentliches von Unwesentliche trennen und uns unserem Selbst näher bringen. Wenn Buddhi z. B. durch Tapas Übungen geschult wird, dann können sich Verhaltensmuster weniger automatisieren bzw. unbewusst verstärken. Buddhi ermöglicht uns unser Verhalten bewusst zu reflektieren und die Automatisierung zu bereinigen.

Das Modell des antahkarana hat zwar die oben aufgeführten verschiedenen Instanzen, aber dennoch ist es wichtig zu erwähnen, dass der Geist als Ganzes handelt. Zum Begriff Handeln sei noch gesagt, dass Handeln in der westlichen Welt oft nur das Grobstoffliche, sichtbare Handeln und vielleicht noch das sprechen meint. In der östlichen Welt bedeutet Handeln zum einen das Feinstoffliche, die Gedanken- und Gefühlswelt (inneres Handeln, vrittis, Bewegungen des Geistes), und dann natürlich aber auch das Grobstoffliche (äussere Handeln). Vgl. Abb. 5

Das östliche Modell der Gewohnheitsbildung erklärt, dass die vrittis samskaras in citta (meint nicht die cittas von Patanjali, wo citta als gesamter Geist zu verstehen ist, sondern als Lagerhaus für Eindrücke) hinterlassen. Das bedeutet, wenn jede erneute Bewegung des Geistes erneut auftritt, dann werden die samskaras verstärkt und Wiederholungen bilden Verhaltensmuster, die nicht reflektiert werden, sondern automatisiert und unbewusst angewendet werden.

Bereits gesagt worden ist, dass Menschen die die Ergebnisse ihres Handelns bewerten und sich so oft schon entscheidet, welche Verhaltensweisen wir gerne und oft wiederholen und welche nicht. Hinzu kommt, dass wir Menschen die Kurzzeitfolgen von Gewohnheiten z. B. des Rauchens als belohnend und positiv entdecken. Aber die Langzeitfolgen sind die negativen oder gar gefährlichen z. B. Gefäßkrankheiten. Die positiven Kurzzeitfolgen bemerken wir oft sofort, aber die negativen Langzeitfolgen interessieren/tangieren uns weniger, wenn wir uns die Frage stellen: warum soll ich auf eine Belohnung jetzt verzichten, wenn vielleicht später eine negative Konsequenz folgt, von der ich jetzt noch nichts spüre.

Aber wie kann man Veränderungen bewirken?

Yoga ist ein gutes Hilfsmittel dafür. Als erstes wird durch alle Yogaübungen die nicht bewertende innere Achtsamkeit gefördert. Das bringt für den Übenden größere Nähe zu sich selbst und fördert die feinere Wahrnehmung für eigene Bedürfnisse. Stärken und entwickeln wir die Beobachterinstanz buddhi, dann können automatisierte Verhaltensmuster überhaupt erst wahrgenommen werden und Änderungswünsche entwickelt werden. Wenn diese Entscheidungsphase beendet ist kann man mit Hilfe eines Selbststudiums (svadhyaya) Veränderungen bewirken. Wichtig ist, dass die Entscheidung von uns für uns ist und nicht, dass wir etwas ändern möchten, weil es von anderen erwartet wird. Dann wäre das Ganze zum Scheitern verurteilt. Die Entscheidung muss klar sein und von der Person wirklich gewollt sein. Die Entschlusskraft ist wichtig für den Erfolg der Veränderung.

Im Selbststudium geht es vorerst um die Frage, um welche Gewohnheit es sich handelt. Dann beobachtet man sich vor der Ausführung des Verhaltensmusters, währenddessen und danach.
Eigene Vermutungen wofür die Gewohnheit brauchen sollten sich auch bewusst gemacht werden. Detaillierte Aufzeichnungen sind hilfreich, denn dadurch erfolgt oft schon eine Verringerung des Verhaltensmusters, besonders wenn es vorher sehr automatisiert abgelaufen ist.
Dieses Phänomen zeigt, dass durch das Aufschreiben, buddhi bereits in der Lage ist das unbewusste Abspulen der Gewohnheit auf der Ebene von manas zu unterbrechen.
Wichtig sind auch die Beobachtungen zu den langfristigen Auswirkungen, die oft erst jetzt, nachdem die Wahrnehmung feiner geworden ist, ansatzweise zu erkennen sein mögen (buddhi putzen z. B. durch tapas Übungen).
Der Auslöser ist der Trigger, welcher verantwortlich ist, dafür, dass sich die Gewohnheit überhaupt entwickeln konnte. Will man etwas verändern muss man diesen Auslöser finden. Viele Verhaltensmuster dienen dazu unangenehme Situationen zu vermeiden.
Keines Falls sollte das Verhalten unterdrückt werden, sondern weiter ausgeführt werden, um es zu beobachten. Auch wenn wir ein Verhalten noch so negativ empfinden, ist es dennoch ein Schlüssel zu einer weiteren Entwicklung und Stärkung der Persönlichkeit.

Es gilt herauszufinden, welches Bedürfnis hinter einer Gewohnheit steht, und wie man diesem Bedürfnis auf konstruktivere Art und Weise nachkommen kann.

So bauen sich allmählich zu ändernde Gewohnheiten ab und ersetzen sich durch konstruktivere.

Viele Menschen haben nicht das Gefühl selbst zu entscheiden und zu leben. Sie fühlen sich getrieben von den Notwendigkeiten des Alltags. Unfrei und gebunden in ihrem Leid. Als Symptom für ein spirituelles Verlangen erkennt die Yoga Philosophie, das Gefühl vom unvollständig sein/aus der Einheit geraten zu sein.
Wenn diese Menschen sich sodann auf den Yogaübungsweg machen, tapas, Selbststudium, Entspannungstechniken, Atembeobachtungen usw. dann ist es ein grosses Erlebnis zu erfahren, dass wir wirklich Einfluß nehmen können auf unser Verhalten. Das wir aus eigener Kraft unsere Lebensintensität steigern können.

Das Ziel von Yoga Übungen ist die Vergrößerung der inneren Freiheit, die, wenn wir verschiedenen Regeln folgen uns bereichert.
Das Leben erfährt Sinn und Ziel.

Quellenverweis
Yoga und Psychologie, Carsten Unger & Katrin Hoffmann-Unger
Der Weg des Feuers und des Lichts, Svami Rama


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